Exkurs:
Lexikon der Sicherheitstechnik:
Schlosstypen
1. Sperrfallenschloss:
Ein Sperrfallenschloss ist weitgehend identisch mit einem
normalen - in Fachkreisen "Zimmertürschloss" genannten - Einsteckschloss.
Zusätzlich besitzt es jedoch die sogenannte "Sperrfalle", die
verhindert, dass bei geschlossener Tür die Schlossfalle nicht
eingedrückt werden kann.
Verwendungszweck: Haustüren. Da in einem Mehrfamilienhaus die
Haustür (zumindest über den Tag) selten abgeschlossen ist,
damit sie von den Wohnungen aus per Türöffner geöffnet
werden kann, ist es ein leichtes für den Kenner, diese Tür
gewaltfrei zu öffnen. Die Sperrfalle verhindert dies. Leider
ist diese Funktion nur für bestimmte Schlossmaße erhältlich
und somit nicht überall einsetzbar.
2. Fallenverriegelung:
Ein Schloss mit zusätzlicher Fallenverriegelung ist
wieder weitestgehend identisch mit einem herkömmlichen Zimmertürschloss
und auch dem Sperrfallenschloss. Der einzige Unterschied ist, dass
die Falle nicht bereits beim Schliessen der Tür verriegelt, sondern
erst beim Abschliessen
Verwendungszweck: Wohnungstüren. Da bei einer Wohnungstür
die Möglichkeit besteht, dass man sich diese mal "zuhaut" und
dann einen Schlüsseldienst braucht, sollte die oben beschriebene
Sperrfallenfunktion hier keine Verwendung finden. Die gesperrte Falle
macht es dem Schlüsseldienstler unmöglich, die (nicht abgeschlossene)
Tür zerstörungsfrei zu öffnen. Will man trotzdem nicht
auf die zusätzliche Sicherheit der gesperrten Falle verzichten,
sollte man zu dieser Variante greifen.
3. Selbstverriegelndes Schloss:
Diese Schlossvariante ist technisch recht aufwendig, aber
einfach zu bedienen. Durch eine Hilfsfalle (wie beim Sperrfallenschloss)
wird in dem Moment, in dem die Tür zufällt, der Schlossriegel
ausgefahren; die Tür ist verriegelt, abgeschlossen. Der Vorteil
ist, dass man nicht mehr manuell abschliessen muss. Ebenso muss man
beim Aufschliessen keine ein oder zwei Schlüsseldrehungen machen,
sondern nur (je nach Fabrikat) eine halbe bis dreiviertel. Die Bedienung
von innen ist genauso einfach. Durch einfaches herunterdrücken
der Klinke wird der Riegel zurückgezogen und die Tür ist
offen. Der Vorteil des Schlosses kann gleichzeitig auch sein Nachteil
sein: Wenn man mal den Schlüssel vergisst - die Tür ist
gleich abgeschlossen, eine zerstörungsfreie Öffnung der
Tür ist nicht möglich. Deshalb ist dieses Schloss für
den Einsatz in Wohnungstüren nur bedingt geeignet.
Verwendungszweck: Aussentüren oder Fluchtwege. Nach dem Durchgang
und anschliessendem Schliessen der Tür ist diese direkt wieder
verschlossen. Eine eventuelle Überprüfung ist nicht nötig.
Von aussen kann die Tür nur mit Schlüssel betreten werden.
Von innen genügt der Druck auf die Klinke, man benötigt
keinen Schlüssel. Dadurch eignet sich das Schloss zum Einsatz
in Flucht- und Rettungswegen.
4. Mehrfachverriegelungen / verzugshemmende Schlösser:
Eine Mehrfachverriegelung sowie ein verzugshemmendes Schloss
ist von aussen durch den über die gesamte Türhöhe verlaufenden
Schlossstulp erkennbar. Verzugshemmende Schlösser unterscheiden
sich zu den Mehrfachverriegelung durch 3-5 beim Schliessvorgang auf-
und abfahrende Röllchen. Diese Schlossart ist kein einbruchhemmendes
Mittel sondern macht einzig seinem Namen Ehre. Eine Mehrfachverriegelung
besitzt anstatt der Röllchen Bolzen, Riegel oder Schwenkriegel.
Diese hemmen den Einbruchversuch. Jedoch ist hier auf die Art der
Betätigung zu achten: Die meistverkauften Mehrfachverriegelung
sind "zahnradbetätigt", dass heisst, die gesamte Bewegungsmechanik
wird über Zahnräder gesteuert (das ist übrigens auch
bei verzugshemmenden Schlössern der Fall).
Die Zahnräder bestehen aus Druckguss, welches ein äusserst
verschleissanfälliges Material ist. Durch zum Beispiel eine schlecht
eingestellte Tür muss beim Schliessen des Schlosses erhöhte
Kraft aufgewendet werden. Das belastet die Zahnräder und sie
beginnen, sich abzunutzen. Eines Tages sind die Zahnräder dann
zahnlos und die Tür bleibt versperrt. Diese Tür zu öffnen
wird meist ein kostenintensives Unterfangen. Nun gibt es auch Mehrfachverriegelungen,
die ein normales Riegelwerk aufweisen. Diese sind jedoch teurer als
Zahnrad-Mehrfachverriegelungen und dadurch beim Grosshandel sowie
bei den meisten Verarbeitern unerwünscht.
Verwendungszweck: Haus- und Wohnungstüren. Durch die zusätzlichen
Riegel der MFV wird die Widerstandsfähigkeit der Tür gegen
Aufhebeln wesentlich erhöht. Der Vor- und Nachteil ist, dass
man mit einem Zylinder/Schloss die Tür gesichert hat. Das ist
zwar (im Gegensatz zu Zusatzschlössern) bequem, birgt aber auch
folgende Gefahr: ist der Zylinder vom Einbrecher überwunden,
ist die Tür auf. Bei "externen" Zusatzverriegelungen hat der
Besitzer zwar mehr "Arbeit" beim öffnen und schliessen der Tür,
der Einbruchschutz ist jedoch noch effektiver.
5. Motorschlösser:
Motorschlösser gibt es in zwei Varianten, beide erfüllen
jedoch den einen Zweck: die Türen, an denen sie installiert sind,
immer verschlossen zu halten.
Die Varianten: Unterschieden wird zwischen internen und externen Motorschlössern.
Intern heisst natürlich zum Einen, dass sie in die Tür eingelassen
sind. Das bedeutet zum Zweiten, dass das reguläre Einsteckschloss
durch ein Motorschloss ersetzt wird. Externe Motorschlösser sitzen
auf dem Profilzylinder und schliessen über diesen das Schloss.
Vom externen Motor verspricht man sich eine grössere Stabilität
und Haltbarkeit, da alles, was "extern" ist mehr Platz für sich
hat und nicht auf diverse Einbautiefen und -breiten zu achten braucht.
Denn interne Verriegelungen müssen mehr oder weniger den Platz
nutzen, den ein reguläres Einsteckschloss bietet, und bereits
dort geht es nicht selten eng genug zu.
Das Funktionsprinzip:
Wie gesagt, das Motorschloß sorgt dafür, dass die Tür
immer abgeschlossen ist. Die Öffnung kann auf verschiedene Wege
erfolgen (Beispiel Mehrfamilienhaus, Haustür): Die Öffnung
von aussen erfolgt nicht mehr über den Zylinder im Schloss, sondern
über ein Schaltschloss, welches meist in die Tür auf Augenhöhe
montiert wird. Dort muss der Einlass begehrende ca. eine Vierteldrehung
mit dem Schlüssel machen, um einen Schaltkontakt zu betätigen,
der an das Motorschloß angeschlossen ist. Dieser schliesst dann
auf und zieht die Falle zurück. Man kann nun die Türe durchschreiten.
Ist die Tür vom Türschliesser wieder zugedrückt worden,
schliesst das Motorschloß wieder ab. Wenn es klingelt, kann
der gerufene Bewohner des Hauses auf seinen Türöffnerknopf
in der Wohnung drücken, und das Motorschloß schliesst auf.
Von innen ist am Motorschloß selbst ein kleiner Drucktaster
angebracht. Wird dieser gedrückt, schliesst das Motorschloß
ebenfalls auf. Sollte jemand "Klingelmäuschen" spielen oder den
Taster innen drücken und kehrt machen oder gar ein Enkelchen
an der Sprechanlage rumspielen und den Öffnerknopf drücken,
so schliesst das Motorschloß natürlich auf. Jedoch, selbst
wenn die Tür nicht geöffnet wird, schliesst das Motorschloß
selbsttätig nach einem gewissen Zeitraum wieder ab. Die Tür
ist immer verschlossen.
Nun ist es nicht zwingend notwendig, ein Schaltschloss für die
Öffnung von aussen zu nutzen. Es können sämtliche Arten
von "kontaktenden" Medien genutzt werden, zum Beispiel Kartenleser,
Tastaturen, Fingerabdrucksensoren etc. Die jeweilige Verwendung ist
immer den Örtlichkeiten anzupassen. So ist an einer Haustür
eine Tastatur nicht anzuraten, da ein vorbeigehender Passant bei der
Eingabe des Codes diesen schnell aufschnappen kann. Zudem ist es sicherlich
müssig, bei jedem Mieterwechsel den Code zu ändern und neu
zu lernen. Deswegen wird an Haustüren meist per Schlüsselschalter
geöffnet, da bei Mieterwechsel doch meist alle Schlüssel
zurückgegeben werden.
Nutzt man dann noch patentierte Schlüsselsysteme, ist die Nachbeschaffung
von Schlüsseln nur kontrolliert möglich. Anders jedoch bei
gesicherten Verwaltungs- oder Büroabteilungen: Da dort meist
ein reger Durchgang herrscht, hat hier niemand Lust jedesmal nach
dem Schlüssel zu kramen, wenn er vor der Tür steht. Um hier
den berechtigten Personen Zutritt zu verschaffen, können diese
einen Zahlencode eingeben, oder ihre Fingerkuppe auf ein Sensorfeld
legen.
Noch ein Wort zu den internen Motorschlössern. Das Funktionsprinzip
entspricht hier dem eines selbstverriegelnden Schlosses, denn das
Eine ist aus dem Anderen entstanden. So weisen auch die meisten selbstverriegelnden
Schlösser Möglichkeiten der Bestückung mit Mikrokontakten
etc. auf.
Kontakt:
SchonertBriefkasten / SECUTRADA
Lotterbergstraße 24-1
70499 Stuttgart
Tel: 0711 / 838883-40
Fax: 0711 / 838883-53
eMail: info@SchonertBriefkasten / SECUTRADA.net |